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leraustausch mit China

 

 

Erster China-Austausch 2004

                                                                                                                                   
von Sarah Braun

Letztes Jahr wurde uns von der Schule ein besonderes Angebot gemacht: zum ersten Mal konnte eine Gruppe von Schülern der Jahrgänge 8 bis 12 an einem Austauschprogramm der Superlativen teilnehmen. Für drei Wochen gingen wir nach China, begleitet von Herrn Reinhardt, Frau Ulbrich und Herrn Brosius. Natürlich bereiteten wir uns ein halbes Jahr vorher intensivst auf ein Land vor, das von so unvorstellbar vielen Leuten bewohnt wird und in den letzten Jahren eine so rasante Entwicklung durchlaufen hat, dass man es schon fast nicht glauben kann. Außer man war da.

Begonnen hat unsere Reise in den fernen Osten am 13.10., einem eigentlich ganz normalen Mittwoch kurz vor den Ferien. Aber ans andere Ende der Welt zu kommen ist von hier aus gar nicht mal so einfach. Von Horrem ging es mit dem Zug nach Köln, umsteigen in Stuttgart, in München inklusive 20 kg schweren Koffern in die S-Bahn (und zwar zur Rushhour), am Flughafen raus und auf den Flieger warten. Und das war nur die Einleitung zu etwas, das uns in China erwarten sollte...wir flogen nach Peking und stiegen direkt in das Flugzeug nach Shanghai um. Und man sollte nicht glauben, dass dieser Flug drei Stunden dauert. Wir bekamen eine ungefähre Ahnung davon, dass dieses Land wohl doch noch größer war als angenommen. Und in Shanghai bewahrheitete sich das. Nicht nur das Land war größer: die Häuser, die Straßen und die „Shopping Malls“ waren es auch. Von Shanghai fuhren wir mit einem Reisebus aus nach Suzhou, dem konkreten Gegenteil zu Shanghai. Natürlich war auch das im Vergleich zu Kerpen fünf Nummern größer, trotzdem ist es eine (für chinesische Verhältnisse) „kleine“ Stadt, die für ihre Gärten berühmt ist. Diesem kleinen Abstecher folgte der eigentlich spannendste Teil. Wir kamen nach Hangzhou, wo wir uns eine Woche bei Gastfamilien aufhielten. Wir wurden am Tag der Ankunft, dem 18., in unserer neuen Partnerschule, dem Gymnasium Nr. 5, herumgeführt. Natürlich war das auch nur eine winzige Schule (ca. 2800 Schüler), und man wollte uns nicht wirklich glauben, dass unsere Schule kleiner ist. Es gab ein Büffet, um uns zu begrüßen, mit interessanten Dingen, die sich teilweise später als Hund entpuppten. Das Klischee lebt...

In dieser Woche machten wir viele Ausflüge in die Umgebung von Hangzhou, aber grundsätzlich ohne die Begleitung unsrer Austauschpartner, die sich in der Schule mit etwas Sinnvollerem beschäftigen mussten. So kamen wir zum bekannten „West Lake“, auf eine Teeplantage, in buddhistische Tempel und in unglaublich teure Restaurants, in denen es auf Wunsch Dinge wie Heuschrecken gab. Wir wurden, bis wir aus Hangzhou abreisten, ständig begleitet von unserem Reiseführer und Dolmetscher Herrn Mao, dem ein besonderes Lob gebührt. Ohne ihn wären wir in einem Land, in dem kaum einer Englisch spricht, wohl verloren gewesen. Nach Hangzhou fuhren wir nach Yichang (Staudammprojekt bestaunen), Xi’an (frühere Hauptstadt Chinas, wichtige Stadt für die Seidenstraße und nebenbei der Ort, an dem die berühmte Terrakotta- Armee entdeckt wurde) und Louyang (dort stehen die berühmten Buddha- Figuren). Unsere Reise endete in Peking, denn eine Reise nach China wäre undenkbar gewesen ohne die Mauer, die Verbotene Stadt, dem Platz des Himmlischen Friedens und die berühmte Peking Oper.

Es war eine Reise, die oft zum Nachdenken angeregt hat und es auch heute noch tut. Viele Dinge waren augenöffnend, andere waren nach europäischen Standpunkten eher zweifelhaft. Manchmal verstand man die Mentalität der Menschen, und manchmal war ihr Verhalten nicht ganz nachzuvollziehen. Ich glaube, dieses Austauschprogramm hat alle Teilnehmer einen großen Schritt nach vorne gebracht. Wir haben in wenigen Wochen so viele Erfahrungen sammeln können, dass wir sicherlich alle dazugelernt haben. Natürlich war es kein Urlaubsprogramm. Es war manchmal sehr viel anstrengender als ein Schultag mit neun Stunden. Wir haben so viele Hotelzimmer gesehen, zwei chinesische Schlafwagen, einen normalen Zug, Flugzeuge, Busse, Taxis, U-Bahnwaggons, Privatwagen, dass man manchmal, wenn man abends Tagebuch schreiben wollte, ganz vergessen hatte, was man denn vormittags getan hat (ich kann den 2.11. bis heute nicht ganz rekonstruieren). Am 4.11. kamen wir jedenfalls abends zurück nach Deutschland, zum Teil froh (zum Beispiel endlich wieder lesen können, wohin denn dieser Zug gleich fahren wird, Kartoffelchips kaufen, auf denen Kartoffel drauf steht und trotzdem kein Reis drin ist...), aber zum Teil auch sehr traurig, dass eines der größten Abenteuer, das die Schule uns bieten konnte, schon vorbei war.

Wer bei Namen wie Shanghai und Peking sich am liebsten gleich in den nächsten Flieger stürzen würde, für den gibt es eine gute Nachricht. Im Sommer, wenn wir von den Chinesen besucht werden, werden wir einen kleinen, deutsch-chinesischen Abend veranstalten. Wir werden genauer über unsere Erlebnisse berichten, werden Informationen über Land, Leute, Küche und natürlich den nächsten Austausch herausgeben und können vielleicht sogar ein paar Beiträge von unseren Gästen erwarten. Es wäre unglaublich schön, wenn möglichst viele Leute kommen würden, und den Chinesen das gleiche positive Feedback geben würden, wie wir es auch von ihnen bekommen haben.

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